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Der „3. Weg“ schafft Probleme

Über die Probleme der außerbetrieblichen Ausbildung diskutierten Vorstandsmitglieder der Niederrheinischen Maler- und Lackiererinnung Krefeld-Viersen mit dem Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer (CDU), Vertretern des Berufskollegs Kempen des Kreises Viersen sowie Experten aus dem Handwerk.
Bildungspolitische Diskussion zu außerbetrieblichen Ausbildungsmaßnahmen mit dem Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer
Kreis Viersen. Immer mehr junge Männer absolvieren eine Lehre nicht mehr in einem Handwerksbetrieb, sondern auf dem so genannten „3. Weg“: Sie erlernen ihren Beruf in einer Ausbildungsgesellschaft im Rahmen einer von der Arbeitsagentur geförderten Maßnahme. Das schafft zunehmend Probleme in der Berufsschule, da viele von ihnen Lernschwierigkeiten haben und verhaltensauffällig sind. Darüber diskutierten Mitte April Vorstandsmitglieder der Niederrheinischen Maler- und Lackiererinnung Krefeld-Viersen mit dem Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer (CDU), Vertretern des Berufskollegs Kempen des Kreises Viersen sowie Experten aus dem Handwerk.
„Es darf nicht sein, dass die Schwachen in der Berufsschule die Guten ausbremsen“, sagte Innungsobermeister Günther Busch. Im Maler- und Lackiererhandwerk gibt es neben der normalen dreijährigen Ausbildung die Qualifikation als „Bauten- und Objektbeschichter“, die bereits nach zwei Jahren erreicht wird. Sie ist für zwar praktisch begabte, aber lernschwache Jugendliche interessant. Deshalb vermittelten die ARGEN viele junge Menschen in außerbetriebliche Ausbildungsgänge für diesen Beruf, die bislang keinen Erfolg mit ihren Bewerbungen hatten, erklärte Busch. Die verkürzte Ausbildung ist vom Malerhauptverband eingeführt worden, um einen geringer qualifizierten Abschluss zu bieten, wie es ihn in vielen europäischen Ländern gibt. Damit sollte der Abschluss der dreijährigen Ausbildung aufgewertet werden.
Landesweit sind inzwischen rund 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse zum Bauten- und Objektbeschichter außerbetrieblich, wie Guido Gormanns, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes Nordrhein berichtete. In Mönchengladbach etwa besuchen derzeit 68 Jugendliche die Malerklassen der Berufsschule, die auf dem „3. Weg“ den Beruf erlernen – das sind fast drei Viertel aller Auszubildenden. In Kempen sind es bislang acht Schüler, die von Ausbildungsgesellschaften kommen.
„Viele stören den Unterricht“, meinte Berufsschullehrer Klaus Kox. Drastischer drückte es Dr. Axel Fuhrmann, Leiter der Abteilung Ausbildung bei der Handwerkskammer Düsseldorf, aus: „Die verhaltensauffälligen Jugendlichen haben keine Lust, kein Ziel, kein Sozialverhalten und mischen die Klassen auf.“ Im Verwaltungsausschuss der Arbeitsagentur sollten die Vertreter der Arbeitgeber klären lassen, wie die außerbetriebliche Ausbildung in der Region gestaltet werden sollte, in welchen Berufen und mit wie vielen Plätzen. Darüber hinaus sollten sie fragen, nach welchen Kriterien die Arbeitsagentur die Maßnahmen ausschreibt und an Ausbildungsgesellschaften vergibt, empfahl Dr. Fuhrmann.
Bundestagsabgeordneter Uwe Schummer will nun ein Gespräch zwischen Innung, Berufskolleg und Arbeitsagentur bzw. ARGE vermitteln. Er plädierte dafür, die Berufsorientierung junger Menschen zu intensivieren. Jugendliche sollten zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr fünf Betriebspraktika in verschiedenen Berufsfeldern absolvieren. Horst Trilling, Abteilungsleiter Technik im Berufskolleg Kempen, kündigte eine härtere Gangart gegenüber den Störern an – von einer Abmahnung über eine Disziplinarkonferenz in der Schule bis hin zur Androhung von Verweisen.
Darüber hinaus arbeitet die Innung daran, geeignete Nachwuchskräfte zu finden. „Wir brauchen gute Leute, denn wir sind das Handwerk mit dem intensivsten Kundenkontakt“, sagte Vorstandsmitglied Thorsten Engler. Dazu kooperiert die Niederrheinische Maler- und Lackiererinnung mit mehreren Hauptschulen. Am 20. April 2009 wird sie eine neue überbetriebliche Lehrwerkstätte in Willich-Münchheide eröffnen und dort den Beruf vorstellen. Der sei nämlich sehr attraktiv, so Obermeister Günther Busch: „Wenn wir das Haus unserer Kunden verlassen, ist es schöner als vorher.“
Autor:
Georg Maria Balsen
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